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Thema Rezyklat – Sammelqualität in der Gelben Tonne

By 23. August 2019 No Comments

Mülltrennung und Verpackungsherstellung gehören zusammen

Deutsche sammeln und sammeln – aber bringt es genug? Eines der größten Akzeptanzprobleme bei Verpackungen ist der Eindruck, dass zu wenig recycelt wird. Aber stimmt das? Woran liegt das? Und wie kann man es verbessern?

Wenn wir nur das Recycling aus dem Gelben Sack/der Gelben Tonne betrachten, gibt es 3 Handlungsfelder, um das Recycling zu verbessern.

Handlungsfeld 1: Mehrfachverpackungen, Mischkunststoffe, schwarzes Plastik

Ein Teil dieses Abfalls besteht immer noch aus nicht oder nur schwer recyclingfähigen Verpackungen. Dazu gehören vor allem mehrlagige Behälter und andere Verbundmaterialien, für die es bis heute keine Trennverfahren gibt. Mischkunststoffe sind zwar prinzipiell recyclingfähig, gelten jedoch als minderwertiges Material, für das es nur begrenzte Wiederverwertungsmöglichkeiten gibt.  Schwarzes Plastik kann heute noch nicht von allen Sortieranlagen separat erfasst werden und verhindert, dass Recyclingmaterial in hellen Farben entstehen kann.  Die übrigen Restmaterialien werden in den Sortieranlagen von den „guten“ getrennt und anschließend in Kraftwerken oder Müllverbrennungsanlagen zur Erzeugung von Energie und Fernwärme verbrannt. Für eine Tonne dieses nicht recyclingfähigen Materials zahlen die Recyclingunternehmen den Entsorgern übrigens durchschnittlich über 100 EUR. Insgesamt verursacht der Restmüll in den gelben Sammelbehältnissen Zusatzkosten von über 200 Mio. EUR im Jahr. Das Verpackungsgesetz fordert finanzielle Anreize durch die Systeme, um solche Verpackungen möglichst vom Markt verschwinden zu lassen. Marketing- und Verpackungsabteilungen bewegen sich und investieren in neue Herstellungsverfahren, damit sie Sanktionen vermeiden. Verbraucher können mithelfen: auf Recyclingfähigkeit und die Herstellung aus Recyclingmaterial achten und einfach ab sofort Alternativen kaufen.

Handlungsfeld 2: Entscheidung am Mülleimer

Jede richtige Sortierentscheidung zu Hause fördert das Recycling, jede falsche behindert es. Dabei wird in städtischen Gebieten schlechter sortiert, als auf dem Land, hier hätte also bessere Aufklärung einen großen Einfluss. Die Statistiken geben an, dass es jährlich viele hunderttausend Tonnen Sortierreste durch Fehlentscheidungen am Mülleimer gibt. Bei einer Sammelmenge von ca. 2,6 Mio. Tonnen Leichtverpackungen (LVP) aus dem Gelben Sack und der Gelben Tonne entfaltet damit die häusliche Entscheidung am Mülleimer eine deutliche Wirkung.

Der mittelständisch geprägte Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) betont, dass die Vermüllung beim Verpackungsabfall in einigen Gebieten sogar bis zu 60% beträgt. Die in der Initiative geTon organisierten dualen Systeme Der Grüne Punkt, Interseroh und BellandVision können bestätigen, dass es große Unterschiede gibt. Neben den Problemfällen finden sich aber auch Städte und Kommunen, die ein extrem hochwertiges Sammelergebnis abliefern. Die Städte und städtischen Einrichtungen haben also eine reale Einwirkmöglichkeit, nicht zuletzt durch ihre in Umfragen immer wieder hoch angesiedelte Kompetenz für die Abfallentsorgung.

Oft wissen gerade jüngere Menschen gar nicht mehr, was in welche Tonne gehört – und warum. Der Hintergrund: Seit Einführung des Wettbewerbs im dualen System haben die konkurrierenden Systembetreiber nicht mehr in die Kommunikation mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern investiert. Die Kommunen wiederum, die von den Systemen Geld für die Information ihrer Bürger erhalten, haben nicht alle dieses Geld zweckgerichtet eingesetzt.

Die Folge: Viele Verbraucher sind nicht richtig informiert. Deshalb starten die dualen Systeme im kommenden Jahr eine bundesweite Informationskampagne.

Handlungsfeld 3: bewusst falsche Müllentsorgung unterbinden

Es ist zu beobachten, dass die Fehlwurfquote in Gebieten mit Gelben Tonnen deutlich höher ist als in Gebieten mit Gelbem Sack. Hier geht es offenbar um Geld: Vor allem in Gebieten, in denen die Restmülltonne verursachergerecht (nach Gewicht) abgerechnet wird, lassen einige ihren Restmüll unter den gelben Deckeln verschwinden. Um Kosten für den Hausmüll zu sparen, werden die gelben Sammelbehältnisse der dualen Systeme als Müllkippe vor der Haustür missbraucht. Das wird nun immer häufiger bestraft: Die Mitarbeiter an den Sammelfahrzeugen machen Stichproben, lassen solche Tonnen stehen und sorgen mit einem Aufkleber dafür, dass der Inhalt als Restmüll abgeholt und die Kosten auf alle Mieter umlegt werden. Das geht aber nur im Konsens mit der Kommune, die als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger für den Restmüll verantwortlich ist.

Die häufigsten Fehlwürfe sind wahrscheinlich Textilien und Schuhe, Organik (Speisereste), aber auch gebrauchte Kosmetik- und Hygieneartikel aus Watte.

Am ärgerlichsten für die Sortieranlagen sind weg geworfene Audio- und Videokassetten in den Gelben Tonnen: Deren Bänder rollen sich kilometerlang ab, wickeln sich um die Wellen der Maschinen und können diese sogar zum Stillstand bringen.

Weitere Beispiele für „kriminelle“ Fehlwürfe in die Tonne sind Betonklumpen, Steine und anderer Bauschutt, Isolationsmaterial (Styropor), Produktions- und Gewerbereste aller Art, nicht restentleerte oder mit Gefahrgütern befüllte Druckbehälter wie Gasflaschen oder Feuerlöscher, Ölfilter, (Auto-)Batterien, sowie Lithium-Ionen-Akkus. Ein Anlagenbetreiber berichtete von einer Fallschirmsignalrakete. Explodierende Sprühdosen für Lacke, Deos oder Bauschaum sorgen regelmäßig für Brandalarm an der Weißblechpresse oder lösen tatsächlich einen Brand aus. An sich wären sie zwar durchaus richtig im Gelben Sack – aber das Stichwort lautet „restentleert“.

Auch hier gilt es, neben der Sanktionierung das Bewusstsein dafür zu schärfen, was solche Fehlwürfe in einem Recyclingbetrieb – und bei den dortigen Mitarbeitern – anrichten können.

Intelligente Fehlwürfe – ein Handlungsfeld?

Einfach mitverarbeitet werden dagegen die sogenannten intelligenten Fehlwürfe, wie beispielsweise der Putzeimer aus Polypropylen (PP) oder das Sandschippchen aus Polyethylen (HDPE), weil sie zur Stoffgruppe der Standard-Kunststoffe gezählt werden. Diese Gegenstände gehören zwar nicht zu den Verpackungen – sind also nicht finanziell an dem Sammel- und Verwertungssystem beteiligt – aber sie sind aus demselben Material, können also mit recycelt werden. In Wertstofftonnen, die nicht auf Verpackungen begrenzt sind, gehören sie allemal.

Nicht verwertet werden können Haushaltsgegenstände oder Spielsachen aus Polyvinylchlorid (PVC) wie Gummistiefel, Gartenschläuche, Planschbecken – oder Bälle. Auch CDs sind aus einem Kunststoff hergestellt (Polycarbonat), der nicht für Verpackungen verwendet wird. Man erkennt diese Materialien an den sieben klassifizierenden, dreieckigen Recyclingzeichen auf den Verpackungen, die EU-weit aufgedruckt werden.

Rot: nicht recyclingfähig. Grün: recyclingfähig

Deutschland kann mehr: Mehr Engagement beim Sortieren kann helfen, die  Recyclingquote von jetzt 47% auf 58,5% bis Ende des Jahres 2019 zu steigern.

Hinweis: In diesen Zahlen nicht enthalten sind Sammelmengen aus Branchenlösungen, sonstige Rücknahmesysteme, Eigenrücknahme, Überschneidung mit Aluminium-Verwertung, Verwertung von Mehrweg-Verpackungen (Verschlüsse, Kästen, Flaschen etc.), Verwertung von bepfandeten Kunststoff-Einweg-Flaschen und Mengen aus der Direktentsorgung des Handels und großgewerblicher Anfallstellen.